Trauerfeier-Hilfe-Forum Information & Hilfe Wissenswertes | zum Mitreden Eine Trauerfeier - zwei wichtige Ziele

Eine Trauerfeier - zwei wichtige Ziele

Eine Trauerfeier - zwei wichtige Ziele

Anja_Weiss

Moderator/in

76
09-09-2022, 20:30 #1
Ein*e gute*r Trauerredner*in stellt für sich zwei klare Ziele auf, die bei der Begleitung einer außerkirchlichen Trauerfeier zu verfolgen sind:

Ziel 1) Den verstorbenen Menschen zu ehren an seinem letzten, stillen Fest - jenseits von Schönfärberei und jenseits von Urteil

Der Volksmund sagt: " Nirgendwo wird so viel gelogen, wie auf einer Beerdigung".
So soll es nicht sein!

Wir Menschen sind alle facettenreiche Wesen mit Stärken und Schwächen - das gehört zum Menschsein.
Eine gute, gelungene und ehrliche Trauerrede stellt einen verstorbenen Menschen möglichst so dar, wie er zu Lebzeiten war.
Schöne Wesenszüge und ruhmreiche Erfolge zu erwähnen, ist leicht.
Doch wie stellt man herausfordernde Wesenszüge dar, ohne über den Menschen zu urteilen?

Recht einfach: Mit neutralen, ehrlichen Worten, die dem gesamten Menschen gerecht werden.
Aus dem "eitlen Fatzken", den die Trauerfamilie schmunzelnd so tituliert, wird in der Trauerrede der Mann, der Zeit seines Lebens stets viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres legte und deshalb in jeder Jackentasche einen Kamm mit sich trug.

Die "zickige" Schwester, Ehefrau, Tochter, die in Konfliktsituationen Türe knallend den Raum verließ und erst einmal stundenlang "bockte", beschreiben wir als eine Frau, für die im Konfliktfall Diskussionen nicht so sehr zu ihren Strategien gehörten, um durch ihr Leben zu gehen.

Ziel 2): Den Angehörigen - möglichst allen - und den Trauergästen einen guten, runden Abschied zu ermöglichen

Es gibt relativ viele Familien, in denen Mitglieder sich in schwelenden oder auch offensichtlichen Konfliktbeziehungen zueinander befinden. Das beeinträchtigt uns als Trauerredner*in im Grunde nicht, wenn es uns gelingt, eine neutrale, unparteiische Haltung zu bewahren. Uns gegenüber sind alle Familienmitglieder - so meine Erfrahrung - meist freundlich zugewandt; die Konflikte innerhalb der Familie gehen uns nichts an.

Unser Ziel als Trauerredner*in sollte sein, allen Angehörigen einen guten Abschied zu ermöglichen.
Dies gelingt, wenn wir allen Menschen aus dem Umfeld des Verstorbenen in unserer Trauerrede eine Stimme geben, jede Sichtweise in gleicher Gewichtung zum Ausdruck bringen. Dazu sollten wir uns im Trauergespräch dafür einsetzen, dass auch der verstrittene Bruder, zu dem seit Jahren kein Kontakt besteht, Erwähnung findet, oder auch die Exfrau, die im Leben des Verstorbenen einmal wichtig war und ihm möglicherweise ein gemeinsames Kind geschenkt hat.

Wenn ich im Trauergespräch dafür werbe, diese Menschen kurz, ohne Schönfärberei, erwähnen zu dürfen, weil es mir wichtig ist, auf der Beerdigung keinen Trauergast zu verletzen, bekomme ich in den allermeisten Fällen Zustimmung.
Anja_Weiss
09-09-2022, 20:30 #1

Ein*e gute*r Trauerredner*in stellt für sich zwei klare Ziele auf, die bei der Begleitung einer außerkirchlichen Trauerfeier zu verfolgen sind:

Ziel 1) Den verstorbenen Menschen zu ehren an seinem letzten, stillen Fest - jenseits von Schönfärberei und jenseits von Urteil

Der Volksmund sagt: " Nirgendwo wird so viel gelogen, wie auf einer Beerdigung".
So soll es nicht sein!

Wir Menschen sind alle facettenreiche Wesen mit Stärken und Schwächen - das gehört zum Menschsein.
Eine gute, gelungene und ehrliche Trauerrede stellt einen verstorbenen Menschen möglichst so dar, wie er zu Lebzeiten war.
Schöne Wesenszüge und ruhmreiche Erfolge zu erwähnen, ist leicht.
Doch wie stellt man herausfordernde Wesenszüge dar, ohne über den Menschen zu urteilen?

Recht einfach: Mit neutralen, ehrlichen Worten, die dem gesamten Menschen gerecht werden.
Aus dem "eitlen Fatzken", den die Trauerfamilie schmunzelnd so tituliert, wird in der Trauerrede der Mann, der Zeit seines Lebens stets viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres legte und deshalb in jeder Jackentasche einen Kamm mit sich trug.

Die "zickige" Schwester, Ehefrau, Tochter, die in Konfliktsituationen Türe knallend den Raum verließ und erst einmal stundenlang "bockte", beschreiben wir als eine Frau, für die im Konfliktfall Diskussionen nicht so sehr zu ihren Strategien gehörten, um durch ihr Leben zu gehen.

Ziel 2): Den Angehörigen - möglichst allen - und den Trauergästen einen guten, runden Abschied zu ermöglichen

Es gibt relativ viele Familien, in denen Mitglieder sich in schwelenden oder auch offensichtlichen Konfliktbeziehungen zueinander befinden. Das beeinträchtigt uns als Trauerredner*in im Grunde nicht, wenn es uns gelingt, eine neutrale, unparteiische Haltung zu bewahren. Uns gegenüber sind alle Familienmitglieder - so meine Erfrahrung - meist freundlich zugewandt; die Konflikte innerhalb der Familie gehen uns nichts an.

Unser Ziel als Trauerredner*in sollte sein, allen Angehörigen einen guten Abschied zu ermöglichen.
Dies gelingt, wenn wir allen Menschen aus dem Umfeld des Verstorbenen in unserer Trauerrede eine Stimme geben, jede Sichtweise in gleicher Gewichtung zum Ausdruck bringen. Dazu sollten wir uns im Trauergespräch dafür einsetzen, dass auch der verstrittene Bruder, zu dem seit Jahren kein Kontakt besteht, Erwähnung findet, oder auch die Exfrau, die im Leben des Verstorbenen einmal wichtig war und ihm möglicherweise ein gemeinsames Kind geschenkt hat.

Wenn ich im Trauergespräch dafür werbe, diese Menschen kurz, ohne Schönfärberei, erwähnen zu dürfen, weil es mir wichtig ist, auf der Beerdigung keinen Trauergast zu verletzen, bekomme ich in den allermeisten Fällen Zustimmung.

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